Die Filterblase – ein nicht zwingend digitales Phänomen

Begegnung der dritten Art

Gestern hatte ich eine Begegnung, bei der mir mein Gegenüber deutlich machen wollte, dass Facebook aktuell extrem auf dem Rückzug sei, was seine Nutzung betreffen würde. Für viele Menschen, junge, aber auch solche mittleren Alters, wäre der Inbegriff des sozialen Netzwerkes heute kaum noch attraktiv oder von Bedeutung. Die junge Dame, selbst in den 30ern ihrer Lebensjahre, erzählte mir, dass innerhalb ihres nicht unbeträchtlich großen Freundeskreises, wie sie betonte, kaum Leute Facebook nutzen würden. Sogar jene, die früher Facebook regelmäßig nutzten, gesellten sich heute zunehmend zu den Abstinenzlern bezüglich dieser Plattform.

Gewagte Thesen

Ich runzelte ein wenig die Stirn, wollte aber nicht zu forsch antworten oder mit einer auf Empörung gezielten Replik starten. Eher moderat formulierte ich somit meine erste Entgegnung: „Ich halte das für eine gewagte These“ (Dass Facebook heute kaum noch eine Rolle bei den Menschen einer bestimmten oder sogar in verschiedener Altersgruppen spielen würde).

Micha, der extreme soziale Netzwerker

Klar, viele kennen mich als einen „Extremnutzer“ in Sachen sozialer Netzwerke. Und Facebook steht da bei mir unübersehbar an erster Stelle. Seit 2009 nutze ich die Dienste, die Informations- und Kommunikationsplattform des Giganten, der freilich auch mal klein anfing, auch wenn man das heute kaum noch für möglich hält. 🙂 Im Laufe der Jahre wurde Facebook für mich immer mehr zu einem zentralen Bestandteil meines Lebens. Ich habe sehr viel an Facebook zu kritisieren. Gerade im fotografischen Bereich, der aus meinem Leben ja nun auch nicht mehr wegzudenken ist, würde ich mir einige Verbesserungen wünschen. Z. B. dass man bei einem Foto eines Fotoalbums deutlicher sieht, dass es tatsächlich Bestandteil eines Fotoalbums ist, und dass es somit noch weitere Fotos (innerhalb dieser Serie) gibt, die es sich anzuklicken lohnt.

Facebooks Innovationen

Gleichwohl hat Facebook soziale Interaktionsmöglichkeiten im digitalen Raum erst erschaffen, die es in dieser Form zuvor überhaupt nicht gab. Heute ist es leichter und schwerer, relevante Themen an den Mann und die Frau zu bringen. Sogar Themen zu reflektieren, die früher nur von unerreichbaren Medien ausgestrahlt wurden. So wie „Monitor“ von der ARD. Oder man startet eine Petition, die Hunderttausend mal signiert wird, auch aufgrund einer außerordentlich großen Anzahl von „Teilungen“ auf Facebook. „Schwerer“ kann es deshalb sein, weil insgesamt freilich auch die Informationsflut zugenommen hat.

Das soziale Netzwerk bleibt wichtig

Wie bei fast allen Neuentwicklungen, so hat also auch Facebook neben Fortschritten und Erleichterungen auch Dinge befördert, über die es sich kritisch nachzudenken lohnt. Und doch, in meinem eigenen Umfeld von Menschen, das ebenso wie bei der oben erwähnten jungen Dame kein kleines ist, bleibt die Rolle und die Nutzung von Facebook signifikant. Vielleicht ist es ein wenig eine Spekulation, wodurch das ausgelöst wird, aber ich nehme an, dass meine eigene – richtig, sehr starke – Aktivität auf der sozialen Plattform zu den Hauptursachen gehört: Gerade in diesen Tagen erhalte ich so viel an Feedback zu meiner Fotografie, teils auch zu meinen philosophischen, politischen oder gesellschaftlichen Ansichten, dass ich manchmal gar nicht hinter komme, um dem einen oder der anderen zu antworten, um die Einladung auf einen Kaffee anzunehmen, um auf die Anfrage zu einem Fotoshooting zu reagieren. Freilich, die Fotografie ist nicht nur meine Leidenschaft. Mit den Einnahmen, die ich über sie generiere, bestreite ich zudem meine Existenz. Vielen, manchmal selbst Freunden, ist das nicht bewusst, und ich muss sie manchmal darin erinnern, wenn sie mich bspw. darum bitten, dass ich ihnen eben mal ein Originalfoto von ihnen oder einer bestimmten Szene zuschicken soll.

Filterblasen digital und analog

Aus alle dem leitet sich für mich die faszinierende Erkenntnis ab, dass Filterblasen nicht alleine ein digitales Phänomen sind. Es gibt also Menschen, die in der realen Welt in ihrer Wahrnehmung von einem Ende der Nutzungszeit von Facebook innerhalb ihres – nicht gerade kleinen – Freundeskreises sprechen. Dem gegenüber steht meine persönliche Erfahrung, dass sogar Menschen, die auf Facebook selbst mit mir nicht oder kaum sozial interagieren, mich bei zufälligen Begegnungen auf der Straße ansprechen und mir ihre Bewunderung in Bezug auf meine Fotos oder überhaupt bezüglich meiner Posts aussprechen. Natürlich freue ich mich immer sehr darüber und begreife gleichzeitig die Vielfalt und die Komplexität unserer Welt und ihrer Beziehungen und Interaktionen, die sowohl im klassischen „analogen“ als auch im digitalen Raum stattfinden. Beide „Welten“ zu verbinden, gehört nach wie vor zu meinen großen Leidenschaften!

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