Die Magie des Dialoges

Die Schrecken eines globalen Krieges liegen gerade mal 5 Jahre zurück, als es zu Beginn der 1950er Jahre zum Koreakrieg kommt. Sowohl Nord- als auch Südkorea haben einen Machtanspruch für das gesamte Korea. Am 38. Breitengrad manifestieren sich Spaltung und Grenzverlauf der im Ergebnis des 2. Weltkrieges entstandenen Teilnationen mit konträren Gesellschaftsordnungen. Nordkorea überfällt Südkorea. Im Verlauf kämpfen Nordkoreaner und Chinesen auf der einen, Südkoreaner und die UN-Truppen anführenden US-Amerikaner auf der anderen Seite. Auf Angriffe folgen Gegenangriffe, auf die Gegenangriffe Gegengegenangriffe. Auf beiden Seiten geschehen schwere Kriegsverbrechen.   Nach 3 Jahren des gegenseitigen Abschlachtens gibt es 4 Millionen Kriegsopfer. Der Grenzverlauf und das Spannungspotenzial zwischen beiden koreanischen (!) Ländern soll für die kommenden Jahrzehnte bestehen bleiben …

In den letzten Wochen und Monaten des inzwischen 21. Jahrhunderts hat sich der politische Konflikt der beiden Staaten wiedereinmal zugespitzt. Während der derzeitige Machthaber Nordkoreas, der gerade mal 33-jährige Kim Jong-un, die Welt mit dem Test von atomar bestückbaren Langstreckenraketen provoziert, kontert der POTUS in seinen Tweets mit einer möglichen totalen Vernichtung von Nordkorea.

Doch plötzlich passieren recht seltsam anmutende Dinge. Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang (9.2.-25.2.18) treffen sich Vertreter der obersten Polittheaterbühne (aka. Regierung) von Nordkorea und Südkorea zu Gesprächen und zeigen Zeichen von Wärme, Nähe und gar Menschlichkeit: Bei Olympia sollen Sportler beider Nationen in teils gemeinsamen Teams (z. B. Eishockey) unter einer Flagge an den Wettkämpfen teilnehmen.  How awesome is this?!

Ja, ok, von vielen Seiten wird schon wieder vermutet, dass nach den Olympischen Winterspielen in Südkorea wieder alles vorbei sein wird mit der Entspannung, mit dem Dialog, mit dem gemeinsam reden. Aber halt! Sollten wir nicht hoffen, dass der von beiden Seiten gezeigte Anflug von Menschlichkeit eine Verbreitung und Intensivierung findet? Sollten internationale Politiker nicht genau diese Chance aufgreifen, diesen Moment nutzen, beiden Seiten Mut zuzureden für ein weiteres auf einander zu Gehen? Das Internationale Olympische Komitee – wohl selbst überrascht – hat sich in einer ersten Reaktion offen gezeigt für die „interessanten Vorschläge“ aus Nord- und Südkorea.

Eine Frage mag gleichwohl noch säuseln in den Köpfen der politischen Beobachter unserer Zeit: Wie haben es beide Seiten, Nordkorea und Südkorea, überhaupt geschafft, nach unzähligen Episoden der Feindlichkeit, wieder aufeinander zu zu gehen? Es mag witzig oder trivial klingen, aber vielleicht haben sie sich dessen besonnen, dass sie sich ja im Grunde verdammt ähnlich sehen, wahrscheinlich sind sie sogar genetisch zu 99,99…. % identisch. Ihr Lachen wird sich kaum voneinander unterscheiden, so auch nicht ihr Weinen in traurigen Momenten.  Und das ist eine Sache, sogar eine Erfahrung für viele von uns, und es darf gerne Erkenntnis werden für uns alle, dass wir, ja wir, alle im selben Boot sitzen. Mit uns leben und sterben die Menschen, lebt und stirbt der Planet. Vor allem vor dem Sterben sollten wir die exklusive Möglichkeit nutzen, einen Schritt in Richtung des anderen zu tun, der auch „nur“ ein Mensch ist. Es wäre nicht auszuschließen, dass dann der andere seinerseits einen Schritt auf uns zugeht. Damit würden wir uns schon zwei Schritte näher kommen. Ein eigentlich doch sehr faszinierendes Phänomen. Im Kleinen wie im Großen.

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